Wo ein Wille ist...
...ist auch ein Weg!
"Die meisten Eltern wollen keinen Hauptschulabschluss für ihre Kinder", meldet die Presse alle Jahre wieder, meist kurz vor den Anmeldeterminen zu den weiterführenden Schulen.
"Ich will fliegen!", sprach der Schneider von Ulm und fiel vom Kirchturm in die Donau.
Natürlich wollen alle Eltern die beste Schulausbildung für ihre Kinder. Aber wir alle wissen, dass Interessen und Begabungen, Stärken und Fähigkeiten nicht bei allen Kindern gleich ausgeprägt sind. Es kann nicht jeder Junge Pilot oder Profifußballer werden und nicht jedes Mädchen Filmstar oder Tierärztin - und das ist gut so!
Was sollen Sie als Eltern also tun, wenn Sie vor der schwierigen Entscheidung stehen, die geeignete Schulform für ihr Kind wählen zu müssen?
Wir empfehlen Ihnen:
Lassen Sie sich nicht allein von Ihrem eigenen Willen oder von den Wünschen Ihres Kindes leiten.
Hören Sie auf das, was Ihnen die Pädagogen der Grundschule raten, denn die kennen Ihr Kind in der Regel jahrelang und können sich am besten ein Bild von seiner Leistungsfähigkeit machen.
Hören Sie nicht auf haarsträubende Geschichten, die man sich allgemein über Hauptschulen erzählt.
Fragen Sie Eltern unserer Schüler oder auch unsere ehemaligen Schülerinnen und Schüler, wie sie das Zusammenleben und Arbeiten an unserer Schule erfahren haben.
Durch ihr Urteil können Sie sich eher ein Bild von der Qualität unserer Schule machen als durch verallgemeinernde Presseberichte.
Wir verkaufen Ihnen...
...die Katze im Sack!
Das sollte man eigentlich nicht tun, denn „die Katze im Sack verkaufen" bedeutet nichts anderes als etwas verheimlichen. Viele Menschen glauben - und die Presse schreibt es auch immer wieder - eine Hauptschule verkauft den Hauptschulabschluss - und damit basta! Und der soll ja wohl nicht so viel wert sein. Wir wollen einmal den Sack öffnen. Und was finden wir ?
Wir verkaufen auch die „Fachoberschulreife" (viele nennen das immer noch den „Realschulabschluss"). Und zwar ganz legal ! Und zwar jedes Jahr ! Und wir verkaufen sogar die „Fachoberschulreife mit Qualifikation," d.h. die Möglichkeit für besonders gute Schüler, nach der Hauptschule die gymnasiale Oberstufe zu besuchen. Die Katze entpuppt sich also als Tiger im Tank. Wir sind stolz darauf sagen zu können: Wir verkaufen Ihnen die Katze im Sack - aber diese Katze ist eine unserer Stärken - sie ist eine starke Chance für Ihr Kind!
50 kommen zu uns - 75 verlassen uns
Statistischen Untersuchungen zufolge geht die Zahl der Hauptschüler in Deutschland zurück.
Auch
an unserer Schule fangen wir mit kleinen Klassen an, mit einer
Schülerzahl, bei der wir Lehrer uns intensiv mit jedem einzelnen Kind
beschäftigen können, ein offenes Ohr haben können für große und auch
kleine Sorgen, die nicht immer nur die Schule betreffen.
Wir kennen
jedes unserer Kinder gut - und die Kinder kennen uns. Das schafft eine
Atmosphäre des Vertrauens, und in einer solchen Atmosphäre lässt sich
gut leben und lernen. Auch das ist eine unserer Stärken.
Wenn wir
uns dann richtig eingelebt haben, wird es allerdings wieder voller,
denn dann kommen die Schüler zu uns, die an den anderen weiterführenden
Schulen gescheitert sind.
So werden im Laufe der Zeit aus 50 Schulanfängern 75 Entlassschüler.
Die Statistik irrt also, denn sie zählt nur die Schüler der Eingangsklassen und nicht die Entlassschüler.
Ihr Abstieg...
...ist manchmal Ihr Aufstieg!
Jahr für Jahr werden Schüler und Schülerinnen an unserer Schule aufgenommen, die den Leistungsanforderungen des Gymnasiums und der Realschule nicht gewachsen waren (pro Schuljahr bis zu 30 Kinder). Schüler, die von diesen Schulen zu uns kommen, zeigen oft starke Verhaltensauffälligkeiten.
Jahrelanges Herumquälen mit Schulproblemen hat nicht nur sie selbst belastet und ihr Selbstwertgefühl angegriffen; das gesamte Familienleben ist gestört. Die Eltern sind entnervt und enttäuscht, die Kinder schämen sich. Sie fühlen sich in der Regel als Versager.
Diesen Frust lassen sie häufig in Form von Aggression, Ungehorsam und Leistungsverweigerung an der Umwelt aus. Sie stören das Leben und die Arbeit in den gewachsenen Klassenverbänden. Unsere Schule hat nun die schwierige Aufgabe, diese „gefallenen" Kinder aufzufangen. Und wir geben uns große Mühe dabei. Wir kennen die Schwierigkeiten, die ein solcher Abstieg mit sich bringt. Wir versuchen, die Schulängste und die Schulverdrossenheit abzubauen und Mut zu machen. Wir suchen und fördern die Stärken, die in diesen Kindern stecken.
Das Ergebnis:
An unserer Schule schaffen manche dieser Kinder auf einem etwas anderen Wege das, was sie an der Realschule nicht erreicht hätten: die Fachoberschulreife - mit allen Möglichkeiten der Weiterbildung, wie sie auch für Realschulabsolventen bestehen. Besser und einfacher für alle Beteiligten wäre es aber gewesen, wenn diese Kinder von Anfang an die für sie richtige Schule besucht hätten!
Bedenken Sie diese Probleme, bevor sie Ihr Kind nach der Grundschule an einer weiterführenden Schule anmelden!
Angst vor...
...Ausländern, Gewalt und Drogen?
An unserer Schule leben und lernen zur Zeit etwa 100 ausländische Kinder zusammen mit ihren deutschen Mitschülern. Das sind ca. 25 % unserer gesamten Schülerschaft.
Es soll Eltern geben, die bei dieser Zahl ein ungutes Gefühl verspüren und deshalb ihr Kind nicht gern zur Hauptschule schicken möchten.
Sie haben Angst, dass ihr Kind zu wenig lernt, weil die ausländischen Kinder die deutsche Sprache nicht beherrschen und dadurch die Leistung der Klasse sinkt. Sie haben Angst vor Gewalttätigkeiten. Sie haben Angst vor Drogen.
Tatsache ist...
...dass die meisten unserer ausländischen Schüler in Deutschland geboren
sind, Deutsch wie ihre Muttersprache sprechen und häufig zu den
leistungsstärksten Kindern der Klasse gehören.
Für
die 10 - 15 Kinder (3 %), die die deutsche Sprache noch nicht
beherrschen (meist keine Ausländer, sondern deutsche Aussiedler aus
Polen oder der ehemaligen Sowjetunion),
haben
wir Intensivkurse eingerichtet, in denen sie getrennt von der übrigen
Klasse Deutsch lernen, bis sie in der Stammklasse erfolgreich
mitarbeiten können.
Tatsache ist...
...dass es überall dort, wo viele Kinder zusammen kommen, zu
Streitigkeiten und auch zu Raufereien kommen kann. Das gilt für
deutsche wie für ausländische Kinder gleichermaßen.
Tatsache
ist, dass die Tendenz zur Gewalt an allen Schulformen, also auch an
Gymnasien, Realschulen und Gesamtschulen, zugenommen hat.
Gewalt
hat viele Ursachen. Aber sie kann leichter dort entstehen, wo sich der
Gewalttäter sicher fühlt, wo er nicht erkannt wird, wo der Überblick
verloren geht.
Wir
haben an unserer Schule das Glück, dass wir den Überblick haben. Wir
kennen unsere „Problemkinder"! Wir spüren Streitherde auf, vermitteln,
schlichten und helfen und sind fest entschlossen, jedem, der an unserer
Schule Gewalt androht oder ausübt, zu sagen: N e i n !!!
Wir bilden an unserer Schule Schülerinnen und Schüler zu Streitschlichtern aus, die sich gemeinsam mit den Beteiligten um eine friedliche Beilegung des Konfliktes bemühen .Wir suchen den Kontakt zu den Eltern und zu den Jugendwohlfahrtseinrichtungen und führen Projekte durch zum Thema „Vorbeugen gegen Gewalt".
Wir
führen ein Selbstbehauptungstraining für Mädchen in Zusammenarbeit mit
der städtischen Gleichstellungsstelle und der Polizei durch. Wir wollen, dass Gewalt an unserer Schule keine Chance hat !
Und
dennoch fliegen bei uns schon mal die Baseballschläger - aber streng
nach Spielregeln – wenn wir in Zusammenarbeit mit örtlichen
Sportvereinen eine Baseball-Arbeitsgemeinschaft für Jungen und Mädchen
anbieten.
Tatsache ist...
...dass keine der weiterführenden Schulen drogenfrei ist; das
Drogenproblem ist an keine bestimmte Schulform gekoppelt. Nikotin,
Alkohol, Hasch und Co. werden in stiller Eintracht von Gymnasiasten,
Real-, Gesamt- und Hauptschülern genossen. Gekauft und gehandelt wird
diese Ware aber weniger in der Schule als vielmehr an Orten im
Städtchen, die jeder kennt, worüber man aber lieber nicht so gerne
spricht.
Folgerichtig
kann die Drogenproblematik auch nicht allein von der Schule gelöst
werden. Dabei müssen alle, die an der Erziehung von Kindern mitwirken,
angesprochen werden.
Und
auch hier haben wir - dank unserer überschaubaren Schülerzahl - wieder
einen Vorteil: Wir merken oft recht früh, wenn es „brennt".
Wir machen die Suchtgefahr zum Unterrichtsgegenstand.
Wir
suchen den Kontakt zu gefährdeten Kindern und Jugendlichen, zu deren
Eltern, zu Beratungsstellen und Jugendhilfeeinrichtungen. Wir
haben an unserer Schule einen Beratungslehrer, der mit dem
Drogenproblem vertraut ist und kompetente Hilfestellung anbieten kann.
Wir können keine Wunder vollbringen , aber wir versuchen Einfluss zu nehmen, wollen Anstöße geben und Möglichkeiten aufzeigen. Wir kümmern uns darum, dass Drogen an unserer Schule wenig Chancen haben.
Bildungsziel...
...Arbeitslosigkeit?
Nicht immer, aber immer öfter hört man, dass Hauptschüler keine guten Chancen auf einen Ausbildungsplatz haben. Also alle rauf aufs Gymnasium! Wer aber zählt die arbeitslosen Akademiker: Ingenieure, Lehrer, Juristen, Theologen usw.? Auch hier herrscht Arbeitslosigkeit, nur merken die es erst später.
Tatsache ist, dass die Arbeitslosigkeit eines der großen Probleme der heutigen Zeit darstellt, von dem alle Bevölkerungsschichten betroffen sind.
Schule - Nein danke !?...
...Nein!
Wir wollen keine Schule sein, in der die Eltern ihre Kinder im 5. Schuljahr abgeben und im 10. Schuljahr zur Abschlussfeier wieder abholen. Denn das Interesse und die Einstellung der Eltern zur Schule färben auf ihre Kinder ab.
Deshalb wünschen wir uns Eltern, die Anteil nehmen an der Arbeit ihrer Kinder, die die Schule ernst nehmen und die bereit sind, mit Lehrern und Lehrerinnen zusammenzuarbeiten, die Vorschläge machen, aber auch Kritik äußern, die also zeigen, dass sie zu ihren Kindern und ihrer Schule stehen.
Wir wünschen uns Eltern, die wissen, dass der Wert eines Menschen nicht an Zensuren und Abschlüssen gemessen werden kann und denen es kein bisschen peinlich ist, dass ihr Kind kein Abitur anstrebt. Wir wollen, dass unsere Schüler und Schülerinnen wie so viele unserer „Ehemaligen" eines Tages sagen werden:
“Unsere Schulzeit an der Friedenshöhe war schön, und sie hat uns stark gemacht für das Leben“.

